Die Besetzung am 8. Dezember 1971

Die BesetzerInnen Vier Tage sind vergangen seit der Erschießung des Anarchisten Georg von Rauch durch die Polizei bei einer Fahndung gegen illegale linksextreme Strukturen. Bei einem Teach–In an der TU Berlin werden die Umstände dieser Polizieaktion diskutiert, ausserdem spielt an diesem Abend die Band „Ton Steine Scherben“. Die Gruppe aus den besetzten Fabriketagen am Mariannenplatz 13 nutzt diese Situation, um für die Besetzung neuer Räume auf dem Bethanien-Gelände zu mobilisieren.

Diese Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer; Hunderte versammeln sich am Mariannenplatz, klettern durch das Loch im Maschendraht, der die Bethaniengebäude umgibt. Schliesslich wird der Zaun ganz durchtrennt, über Hundert Menschen betreten das Martha-Maria-Haus. Die Polizei versucht mit Schlagstöcken und Tränengas, die mehreren Hundert UnterstützerInnen vom Mariannenplatz zu vertreiben. Inzwischen haben sich die Leute im besetzten Geäude verbarrikadiert. Nur für den Verhandlungspartner Stadtrat Erwin Beck wird die Tür geöffnet. Und tatsächlich enden die Gespräche mit der Zusage, das Gebäude nicht sofort räumen zu lassen. In den nächsten Tagen werden weitere Verhandlungen geführt, bei denen die BesetzerInnen immer als Kollektiv auftreten. Noch vor Ablauf eines Monats ist ein Nutzungsvertrag vereinbart. Trägerverein des neuen Jugendwohnprojekts ist das "Jugendzentrum Kreuzberg e.V." Die somit legalisierten BesetzerInnen richten sich ein im ehemaligen Martha-Maria-Haus und nennen es jetzt das „Georg von Rauch-Haus“, in Erinnerung an den sympathischen und draufgängerischen Kämpfer, der so brutal von ihnen genommen wurde.

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